Rückschau in die Zukunft

Liebe Familie, Freunde, Freundinnen und liebe Bekannte, liebe Leser und Leserin

Da sitzte ich nun also wieder mal, am Anfang eines Jahres, vor meinem Coputer und mache eine kleine, persönliche Rückschau.

Irgendwie bin ich dieses Mal einfach so ins neue Jahr geplumpst. Es ging schnell, heftig und war vor allem am letzten Tag des alten Jahres eine enorme Achterbahn der Gefühle. Und jetzt sitzte ich vor einem neuen, kaum angefangenen Jahr, von dem ich noch nicht so recht weiss, was ich davon halten soll.

Aber beginnen wir doch mit einer kleinen Rückblende:

Mein Hotel BnB lief auch in der ersten Hälfte des Jahres 2023 sehr gut. Wir hatten unsere Zimmer sehr gut ausgebucht, was uns auch so einige, wichtige Erneuerungen ermöglichte. Arbeiten wie Zimmer renovieren, das Schattendach der Terrasse erneuern, zum Teil neue Betten anschaffen, neue Gartenmöbel kaufen, und noch so einiges mehr. Es machte mir Spass, nach der langen Durststrecke durch Covid, wieder Neues zu schaffen. Und natürlich waren unsere Gäste ebenso zufrieden.

Das neue Team hat sich im Verlauf des Jahres bewährt. Durch die immer grössere Routine konnte ich mich zunehmend mehr heraus halten und auch ab und zu eigene Projekte verwirklichen. Ich freue mich natürlich sehr, dass Matar, der Gerant und Amadou der Rezeptionist noch eine Weile bei uns bleiben wollen. Sie sind es, die meine Gäste auch im neuen Jahr begrüssen. Die Frauen haben ebenfalls wacker gearbeitet. Leider hat nun zum Jahresende meine liebe Köchin Ada gekündigt. Sie hat uns 20 Jahre lang super gut und verlässlich bekocht. Sie wird mir/uns sehr fehlen. Ist sie doch so etwas wie eine Tochter für mich geworden. Sie ist jetzt verheiratet und es wird Zeit, eine Familie zu gründen und ihr eigenes Leben zu gestalten. Dazu wünsche ich ihr alles Liebe und Gute. Wir werden sicher weiterhin in Kontakt bleiben.

Wir werden also nun für das neue Jahr eine neue Köchin suchen müssen, da die im letzten Jahr angelernte neue Köchin nun auch gehen will, weil sie eine Ausbildung machen möchte. Nun weiss ich noch nicht so recht, ob ich mir diese Mühe noch einmal antun werde, eine neue Frau ein zu arbeiten. Dies ist sehr zeitaufwendig und bedeutet für mich, dass ich wiederum vermehrt im Hotel sein muss. Wer weiss, vielleicht mache ich auch jetzt ein reines BnB mit einem guten Frühstück, jedoch ohne weitere Malzeiten. Ich werde mir dies noch ein wenig durch den Kopf gehen lassen.

Ende Februar 2024 finden im Senegal die Presidentschafts-Wahlen statt. Schon seit mindestens 2 Jahren gibt es im Lande politische Spannungen. Der charismatische Hauptopositionelle Ousmane Sonko konnte seine Beliebtheit und Unterstützung aus der Bevölkerung vergrössern. Im Vergangenen Juni begann die politische Situation aus zu ufern. Es gab wiederum Aufstände in Dakars Strassen und auch in anderen Städten des Landes. Ausser den Protestaktionen wurde auch vieles zerstört. Es sind Menschen gestorben. Es dauerte 3 Monate, bis sich die Situation soweit beruhigt hatte, dass wir wieder zur Tagesordnung übergehen konnten. Logisch, dass in dieser Zeit die Touristen und sonstigen Reisenden vom Senegal fern blieben. Die touristischen Zonen sahen aus wie zu Covid-Zeiten: menschenleer. Auch ich musste die Erneuerungen im Keur Diame sofort stoppen um möglichst die Reserven zusammen zu halten. Zum Glück begannen die Menschen wieder, den Senegal zu bereisen. Langsam nahm dann auch unser Hotel im September wieder Fahrt auf. Doch mussten wir uns bis zum Ende der Regenzeit gedulden, bis wieder wirklich viele Gäste zu uns kamen. Jetzt läuft es wieder sehr gut. Wir hoffen, dass die Wahlen friedlich über die Bühne gehen und uns nicht wieder unsere Gäse verscheuchen. Im Moment ist es ruhig im Land. Die Vorbereitungen für die Wahlen sind in vollem Gange.

Was mich betrifft, so warten wir mit neuen Arbeiten bis die Wahlen vorbei sind. Bis wir sehen, in welche Richtung unser Land geht. Westafrika im Speziellen, aber auch ganz Afrika im allgemeinen bereitet sich auf einen Wandel vor. Ein Wandel in Richtung Selbstverantwortung, Selbstverwaltung und Emanizpation in allen Belangen. Dazu gehören natürlich auch die militärischen Interventionen (Putsch) in Mali, Niger und Burkina Faso. Ebenso in Gabon, Togo, Benin, Kongo stehen die Zeichen auf Wandel. Es wird spannend und sehr interessant. Wenn nun auch im Senegal ein Wandel vonstatten gehen kann, jedoch auf dem demokratischen Weg, dann freut mich das besonders. Natürllich weiss ich wohl, dass dieser Weg steinig und sehr schwierig sein wird. Er muss jedoch begangen werden, denn diese ganzen neokolonialen Machenschaften halten Afrika in der Armutszange, lassen es ausbluten. Auch der Senegal hat Bodenschätze wie Petrol, Gaz und Mineralstoffe wie zum Beispiel Zirkon. Mit entsprechenden Verträgen und einer eigenen Industrie kann das Land sich zu einem Besseren entwickeln und vorwärts machen. Ich wünsche mir einen Anfang in diese Richtung für dieses 2024!

Privat geht es mir gut. Meine Gesundheit ist o.k. auch wenn die Alterszipperlein halt doch da und dort zwicken. Aber das gehört halt einfach dazu. Daneben gebe ich mir Mühe, nicht zu sehr zu rosten und bei guter Gesundheit zu bleiben. Meine Arthrose, die letztes Jahr, vor allem in meinem rechten Knie sehr schlimm war, hat sich bereits etwas gebessert. Bewegung ist eben alles und gerade habe ich schon 15 kg abgenommen! Darauf bin ich wirklich stolz. Noch ein paar Kilos mehr, dann kann ich wieder Bäume ausreissen! Oder so….

Seit 5 Jahren habe ich ein kleines Häuschen in Somone, im Süden von Dakar, gemietet. Inzwischen habe ich mich hier recht gemütlich eingerichtet. Der Grosse Garten ist zu einem kleinen Paradies geworden, in dem ich viele Fruchtbäume, Blumensträucher und sonstiges Nützliches kunterbunt durcheinander gepflanzt habe. Es wird langsam aber sicher zu einem wahrhaften Wald. Ich hoffe, dass meine Zitronen-, Limonen-, Mandarinen-, Orangen-Bäume, meine Tamarinde, Papaya, Traubenbeere, Straucherbse, meine Alore Vera gut wachsen und mir bald Früchte bescheren. Die Moringabäume haben sich schon richtig prächtig vermehrt und wachsen toll. Und jedes Mal, wenn ich hier bin, entdecke ich mehr Vögel, die sich in meinem Garten wohl fühlen. Jetzt muss ich noch einen guten Platz für ein Wasserbecken finden, denn wir sind jetzt wieder in der Trockenzeit und Süsswasser ist für die wilden Tiere schwer zu finden.

Ein weiteres Projekt für meinen Garten wird gerade in die Tat umgesetzt: Ich konstruiere mit meinem tollen Bio-Gärtner nun einen „Schlüsselloch-Gemüsegarten“ Dies ist eine Art rundes Hochbeet mit einem Loch in der Mitte, in das man den Grünabfall von Haus und Garten geben kann. Dort wird auch das Wasser hinzugefügt. Dieses Verfahren wurde in Afrika entwickelt und ermöchtlicht auf kleinem Raum einen Gemüsegarten, welcher weniger Wasser und mehr Ertrag garantiert als die herkömmlichen Anbau-Arten. Ich freue mich schon auf die Realisierung und hoffe, dass ich bald tolles Bio-Gemüse in meinem Garten habe. Daneben pflanze ich natürlich auch meine Küchenkräuter an. Dies schon seit etlichen Jahren. Was gibt es schöneres, als einen Gemüseeintopf mit eigenen Kräutern!

Dadurch, dass ich nun wieder mehr in meinem Häuschen privat sein kann, kann ich auch anderen Interessen nachgehen. Da wäre immer noch das Schreiben, das ich mit viel Freude immer wieder mache. Nur fehlte halt bisher die Zeit, um dies zu intensivieren. Und natürlich nähe ich sehr gerne. Für mich immer wieder eine Freude, wenn etwas Schönes gelungen ist. Letztes Jahr hatte ich eine Menge Leintücher für das Hotel genäht. Nun sollten so schnell als möglich die Tischtücher folgen. Ja, und natürlich dürfen auch die ausgiebigen Spaziergänge am Strand nicht fehlen. All‘ das gibt mir dann wieder die Kraft und den Schwung zurück nach Dakar zu fahren um im Hotel zu arbeiten.

Leider ist die Frage, was mit meinem Hotel werden soll, bisher noch nicht wirklich geklärt. Bisher habe ich keinen entsprechenden Manager gefunden, der dies machen könnte. Und gerade heisst es eben ab zu warten, wie sich die Wahlen entwickeln. Ich werde erst wichtige Entscheidungen treffen, wenn die Wahlen vorbei sind. Inzwischen machen wir einfach noch ein wenig weiter, wie gehabt. Bei den personellen Problemen kommt Zeit und Rat. Denn eins habe ich hier in Afrika gelernt: Es kommt immer wieder wie es muss. Auch wenn es nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte, so ist es doch immer wieder stimmig.

Und die Schweiz? Nun, seit meinem letzten Aufenthalt im 2021 denke ich, dass ich nun nicht mehr in die CH reise. Zum Einen ist die Schweiz für mich einfach sehr teuer geworden und zum Andern erlebe ich diese Fliegerei zunehmend als nervig und unangenehm. In der Schweiz selbst fühle ich mich nicht mehr wirklich wohl, auch wenn ich dort noch viele, liebe Freunde habe. Auch die Landschaft der CH ist natürlich wunderschön und wenn ich an die wunderschönen Berge und Täler denke, kommt schon etwas Wehmut auf. Doch tröste ich mich dann damit, dass der Senegal ja auch wundervolle Natur zu bieten hat.

Das heisst jedoch nicht, dass ich nicht mehr Reisen will! Endlich konnte ich mir einen grossen Traum erfüllen und mir ein wirklich robustes Auto kaufen. Damit will ich nun wieder den Senegal unsicher machen. Und wer weiss, vielleicht schaffe ich es doch noch mal bis nach Morokko?

In diesem Sinne wünche ich Euch allen einen tollen Jahresanfang und alles Liebe und Gute für dieses noch ganz frische Jahr. Möge es uns vermehrt Frieden bringen. Ich wünsche jedem von Euch viel Liebe im Herzen, denn ohne inneren Frieden, gibt es auch keinen Frieden in der Welt! Und natürlich freue ich mich, wenn Ihr mich besuchen kommt. Auch privat in Somone habe ich immer ein Gästezimmer parat.

Seid herzliche gegrüsst, mit viel Sonne und Wärme

Eure Mme. Ruth

2 Antworten auf “Rückschau in die Zukunft”

  1. Danke, liebe Ruth, für diese ausführliche Berichterstattung! Sooo interessant, was Du uns mitteilst!!! Ich bin immer wieder beeindruckt, wie Du Dich und Dein Hotel durch Krisen schipperst und mit Liebe, Geduld und Geschick neu gestaltest! Das macht Freude. Und ja, wer Frieden sät, wird Frieden ernten. Genau das, scheint mir, gelingt Dir sehr kreativ in vielseitigem Garten, der Natur, Deinem Personal, auch wenn aus guten Gründen der ein oder andere neue Wege geht, Deinen Gästen und sogar Deinem viel geliebten Autos. Übrigens komme ich seit 24 Jahren in den Senegal, weil ich von diesen friedlichen Menschen immer wieder ein bisschen Frieden und Wohlgefühl mit nach Hause nach Deutschland mitnehme und auch dort verbreite. Hinsichtlich der Wahlen im Februar bin ich sehr zuversichtlich. Ja, es wird wohl ein neuer Weg einschlagen, ein Weg in eine gute Richtung, weg vom Kolonialismus; eben wer Frieden sät, wird Frieden ernten. In diesem Sinne freue ich mich auf ein baldiges Wiedersehen mit Dir! Alles Gute und bis bald, Dörte alias Maria

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  2. Liebe Dörte
    Wie schön, wie immer bist Du treu auf meiner Seite.
    Dein Lob und Deine Anregungen sind für mich sehr wichtig. Ich freue mich immer wieder darüber.
    Ja, auch ich schaue voller Zuversicht in die Zukunft dieses Landes. Ich glaube an diese Menschen, sie werden einen Wandel schaffen!
    Und natürlich freue ich mich schon sehr, wenn Du kommen kannst!
    Bis dahin alles Liebe und bis bald
    Mme. Ruth

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