8. März, Weltfrauentag!
Seit 1911! Habe ich zumindest gelesen. Das heisst, die Welt zelebriert die Frauen und ihre Rechte seit mehr als 100 Jahren!
https://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Frauentag
Heute ist wieder ein 8.März.
Ich habe viele Glückwünsche, Videos aller Arten, Bilder zu diesem Tag erhalten.
In vielen Ländern der Welt wird dieser Tag heute begangen. In der Politik mit Umzügen, Versammlungen, Künstlerinnen erarbeiten jedes Jahr Vernissagen zum Thema Frauentag, Gleichstellung, Frieden. im privaten Bereich mit Blumen und Geschenken.
Ich selbst habe diesen 8.März als Frauentag erst seit dem Jahr 1991 mitgemacht, obwohl ich als Frau schon viele Jahre an Emanzipation und Frauenrechten interessiert und auch aktiv gewesen war. In jenem Jahr wurde der 8. März als Frauenstreiktag in der Schweiz zelebriert. Ich erinnere mich, dass ich damals auf den Bundesplatz in Bern ging, um mit vielen hundert Frauen für unsere Rechte zu demonstrieren. Dabei blieb mir der Name einer wehrhaften Politikerin aus Genf im Gedächtnis: Christiane Brunner. Das Hauptthema war der Umstand, dass der Gleichstellungsartikel, welcher im Jahre 1981 in die Bundesverfassung aufgenommen worden war, noch immer nicht umgesetzt wurde. (Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist de facto ja bis heute, im Jahr 2025 nicht überall Realität!) Dieser Tag war ein voller Erfolg, den Tausende von Frauen demonstrierten am 8.März 1991 in der ganzen Schweiz.
Jahre später verlor ich dann das Interesse an diesem Tag. Die Frauenbewegung wurde wieder schwächer, Frauenthemen waren immer weniger ein dominantes, politisches Thema. Der Tag wurde zunehmend wie ein Muttertag zelebriert. Die Frauen bekamen Geschenke, Blumen, sowohl von ihrer Familie als auch am Arbeitsplatz. Doch politisch hatte sich die Situation der Frauen nicht sehr stark verändert. Frauenspezifische Rechte wurden nach wie vor schlecht wahrgenommen. Auch gab es immer noch nicht viele Frauen in Führungspositionen. Um diesem entgegen zu wirken wurde eine Frauenquote eingerichtet. Erstens wurde diese Quote in der Folge nur sehr schwer erreicht und zweites ergab sich daraus lediglich ein Krampf, da um jeden Preis Frauen in eine gewisse Position gestellt werden mussten.
Nach wie vor werden Frauen nicht auf eine Vorgesetztenposition vorbereitet. Ist es nicht selbstverständlich dass Frauen höhre Funktion haben. Auch wenn es inzwischen viele erfolgreiche Frauen in hohen Positionen gibt, werden sie immer noch als seltene Paradiesvögel gehandelt. Oder es sind, vor allem in der Politik, Frauen, die sich wie Männer benehmen und sich die Kampftechnik der Männer angeeignet haben. Sie haben sich mit viel Männlichkeit in eine dominante Männerwelt integriert.
Ein Artikel von 2021: https://www.humanrights.ch/de/ipf/menschenrechte/frau/dossier/brennpunkte/gleichstellung-erwerbsleben
Es ist leider eine traurige Realität, dass nach wie vor Frauen benachteiligt sind. Ein Jahrhundertkampf der Frauen, in dem ein paar Annäherungen geschafft wurden, die Stelle der Frau sich etwas verbessert hat, doch Gleichstellung ist etwas anderes. Immer noch oder sogar wieder zunehmend häufiger beschäftigen sich Frauen mit Haushalt und Kinderaufzucht. Ein wichtiger Bereich, welcher jedoch immer noch weder voll anerkannt, noch einen Status hat, welcher der Wichtigkeit der Aufgabe gerecht werden würde. Denn gerade dort beginnt doch die Wertigkeit einer Frau gegenüber. Für diese Arbeiten wird kein Lohn ausgezahlt, die Frauen verrichten sie gratis und daher hat diese Arbeit auch keinen grossen Stellenwert in einer von Männern dominierten Welt. Auch wenn es mittlerweile viele Frauen gibt, die sich selbstbewusst in einer Männerwelt behaupten, sind doch ihre Anstrengungen, um Karriere zu machen um ein vielfaches aufwändiger als dies für einen Mann in derselben Position nötig ist.
Das Selbstverständnis einer Frau, ihr Selbstwert, sollte heute auf einem besseren Niveau sein. Doch nach wie vor müssen sich Frauen, die sich beruflich oder künstlerisch verwirklichen wollen, massiv durchsetzten. Eine Frau, welche „nur“ Hausfrau und Mutter ist, wird vielfach nicht ernst genommen. Denn da ist ja immer dieses Wörtchen NUR vorne dran! Immer noch bleibt eine gute Ausbildung eher den Männern vorbehalten. Oft werden Frauen in der Erziehung benachteiligt, vor allem, wenn sie mehrere Brüder haben sollten. Dabei kann schon in der Erziehung die Gleichstellung kompromisslos gleichberechtigt gehandhabt werden.
Und dann die grosse Spezialität der Frauen: das Kinderkriegen! In den meisten Kulturen, vor allen in den autoritären, von Männern dominierten Kulturen hat der Mann sich den Körper der Frau untertan gemacht. Er will bestimmen, ob eine Frau Kinder bekommt und wann und wie viele. Männer entscheiden auch, ob per Gesetzt ein Abbruch der Schwangerschaft möglich ist. Noch wenn eine Gefahr an Leib und Leben für die Frau besteht, entscheidet ein männliches System, ob jetzt das Kind oder die Frau gerettet werden soll. Der Bauch der Frau gehört nur in gewissen Bereichen der Frau. Ebenso die Frucht, die diesem Bauch entspringt. Der Mann erhebt Anspruch vollumfänglich. Auch wenn er weder sein Leben einer Gefahr aussetzt noch sich normalerweise um die Aufzucht der Kinder kümmert. In etlichen männerorientierten, autoritären Gesellschaften gehen Männer sehr weit, um sicher zu gehen, dass die Kinder wirklich ihre Kinder sind.
Natürlich gibt es viele Frauen, die dieses männerdominante System unterstützen. Für mich sind diese Frauen jedoch nicht relevant, wenn es um die Emanzipation der Frau geht. Sie sind das Produkt einer jahrhundertelangen Unterdrückung der Frau und können sich nicht wirklich etwas anders vorstellen.
Als wäre es wirklich wichtig, welcher Vater zu einem Kind gehört! Ein Kind wird geboren und sollte einfach in eine Gesellschaft integriert werden. Diese ganze Erbfolge oder auch die damit verbundenen kommerziellen Interessen sind nur in einer männerdominanten Gesellschaft dermassen wichtig.
Als Frau bin ich immer nur ein Mensch der 2. Ordnung. Viele Frauen glauben, dass sie ohne Mann keinen gesellschaftlichen Wert haben. Ich habe nur begrenztes Bestimmungsrecht zu gesellschaftlichen Themen, über meine Kinder oder über meinen Körper. Ein männliches System, welches die Frauen klein hält und ihnen ihren Platz zuweist.
Alles für mich absolut logisch. Frauen sind körperlich schwächer als Männer. Ihre grosse Stärke ist die Reproduktion auf die ein Mann, abgesehen vom Geschlechtsakt, keinen Einfluss hat. Er kann höchstens dabei zusehen. Seit die Menschheit begonnen hat, sich ihre Nahrung an zu bauen gibt es Besitzansprüche, es gibt die Erbfolge und es gibt die Unterdrückung der Frau, um sich eine sichere Nachkommenschaft zu garantieren. Der Mann, der Beschützter und Ernährer der Frau, der Familie. Die Frau hat sich unter zu ordnen. Dieses Prinzip ist schon so lange gültig, dass ich mich ernsthaft frage, ob es überhaupt zu ändern ist?
Warum ist es nicht möglich einer Frau das Selbstbestimmungsrecht über ihr Leben, ihren Körper zu ermöglichen? In einer wirklich gleichgestellten Gesellschaft könnte die Frau entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder sie haben möchte und vor allem von wem. Das heisst jedoch nicht, dass die Männer hier nichts zu sagen hätten. In einer Gesellschaft, in welcher beide, Mann und Frau gleichgestellt sind, entscheiden beide, ob sie nun Kinder wollen oder nicht. Sie entscheiden, wie sie dies organisieren wollen. Im Zweifelsfall entscheidet die Frau, es ist ihr Körper, ihr Risiko. Familienbildung und Partnerschaften können weiterhin so existieren, wie jetzt, doch hat die Frau einen anderen, gleichberechtigten Status.
Oft frage ich mich: wovor haben die Männer, diese männliche Gesellschaft Angst? Vor den Frauen, vor ihrem Power, ihrem Frausein? Ist es nicht so, dass gerade in der jetzigen Zeit, ganze Gesellschaften unter dem dominanten Männlichkeits-Prinzip leiden? Auf der ganzen Welt bestimmen meistens Männer, alte Männer, das Geschick von ganzen Nationen. Die Frauen müssen sich darein finden. Es gibt viele Frauen, die rufen Frieden, Solidarität, ein Miteinander aus. Werden sie in diesem Moment wahrgenommen? Nein, es scheint sogar, dass der Wunsch nach Frieden zunehmend verurteilt wird, dass er verpönt ist. PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen die warnen werden verunglimpft und beschimpft. Frauenorganisationen, welche sich für den Frieden einsetzten werden lächerlich gemacht. Usw. usw. Dabei gibt es für mich nur eine gültige Haltung von Frauen einem Krieg gegenüber: Welche Frau will ihre Kinder unter Schmerzen und grossem Risiko auf die Welt bringen, mit oftmals viel Verzicht aufziehen, nur um dann zusehen zu müssen, dass diese Kinder Kanonenfutter werden? Frauen, die Krieg wollen sind für mich morbide und monströs.
Frausein heisst für mich abschiessend, dass ich meinen Wert kenne, dass ich mir nehme, was ich brauche, dass ich verweigere, was mir nicht gut tut und ich mir schlussendlich den Platz im Leben gebe, der für mich stimmt. Mein Wert wird nicht von einem Mann bestimmt, ich bin mir selbst Wert genug.
08. März 2025, Mme Ruth


