2022, ein bewegtes Jahr…..

Liebe Familie, Freunde und Bekannte 

Tja, und wieder ist es ein Jährchen später….

Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins 2023 gerutscht und wünsche Euch für dieses neue Jahr alles Liebe und Gute, einfach alles, was Ihr Euch nur wünschen wollt.

Ich selbst hatte Weihnachten und Sylvester gearbeitet. Wir hatten die letzten Tage volles Haus, was uns doch recht viel Arbeit machte.  Das ist gut so, denn endlich scheint die Krise und die Nachwirkungen von Covid vorbei zu sein und wir können vielleicht sogar wieder Zukunftspläne schmieden.  

Aber dazu vielleicht später noch, denn erst einmal möchte ich Euch ein wenig über das vergangene 2022 erzählen, wie es mir und meinem Hotel ergangen ist:

Zur Erinnerung für Euch alle: Ibra hatte ja am 31.12.21 aufgehört für mich zu arbeiten. Dadurch ist eine gute und langjährige (18 Jahre!) Zusammenarbeit zu Ende gegangen. Er ist zurück in sein Heimatdorf, nach Oussouye gegangen und machte sich dort selbstständig. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen! 

Begonnen hatte das Jahr 2022 mit vielen Gästen. Gleichzeitig begann am 01. Januar ein neuer Manager: Koffi Assogba aus Togo. Die Zusammenarbeit gestaltete sich sofort sehr kooperativ und er hatte sich schnell gut eingearbeitet. Was mich bald einmal zu entlasten begann. Koffi hatte den Job angenommen, weil er dachte, er könnte nebenher noch sein angefangenes Studium beenden. Leider war dies durch den Gästeansturm jedoch ein Ding der Unmöglichkeit, so dass er im Juni, Ende Probezeit, seinen Posten wieder verliess, um weiter zu studieren. Für das Keur Diame war das sehr schade, hatte sich Koffi doch sehr gut im Team integriert und war auch bei den Gästen beliebt. Nicht zu sprechen von seinen Kompetenzen als Manager.

So musste ich wiederum einen neuen Geschäftsführer für das Hotel suchen. Diesmal machte ich ein Inserat im Internet. In der Folge bekam ich hunderte von Bewerbungen, leider war nur der kleinste Teil kompetent genug, um sich bei mir vor zu stellen. Die Auswahlprozedere war ein sehr zeitaufwändiges Unterfangen, welches mir auch recht viel Stress verursachte.

Zum Glück fand ich dann einen jungen Mitarbeiter, welche bereits in der Hotelbranche gearbeitet hatte und seit Anfang Juli nun bei uns ist. Er beendet gerade seine Probezeit und wir sind uns einig, dass wir weiterhin zusammen arbeiten möchten. Der neue Manager des Hotels heisst Matar Diop, ein junger Senegalese. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm.

Durch die grössere Frequenz der Buchungen, beschloss ich das Führungskonzept zu ändern: Wir haben jetzt den Geranten Matar Diop und einen Rezeptionisten tagsüber, sowie einen Concierge für die Nacht. Tairou werden wohl einige von Euch bereits kennen. Er ist schon seit einigen Jahren nachts bei uns tätig.

Der neue Rezeptionist heisst Amadou Beye. Er hat gerade ein Praktikum bei uns beendet und beginnt nun als Angestellter unseres Hauses seinen Dienst.

Soviel zu meinen organisatorischen Problemen des Jahres 2022. Es war für mich sehr stressig und zeitaufwändig, zweimal einen neuen Manager und einen Concierge ein zu arbeiten. Dies brauchte sehr viel Kraft, musste ich doch gleichzeitig auch noch ein durchwegs volles Hotel, ein vergrössertes Team und die ganze administrative Seite bewältigen. Ich konnte praktisch nie eine Auszeit nehmen, um mich zu erholen. Es waren monatelange 7-Tage-Wochen non Stopp.

Anfang Juli, als wiederum neue Mitarbeiter gekommen waren, Tabaski vor der Türe stand und keiner meiner alten oder neuen Angestellten zu Arbeit kommen wollte, kam es, dass ich mit vollem Haus und einer einzigen Angestellten während 5 Tagen praktisch alleine da stand. Es war einfach zu viel! Durch die grosse Erschöpfung, die sich meiner bemächtigt hatte, war ich am Ende meiner Kräfte. Beim Herumrennen, passierte es dann: Ich machte einen Misstritt und setzte mich voller Schwung mitten in meine Blumenrabatte. Leider versuchte ich dabei, den Fall mit meiner rechten Hand ab zu stützen, so dass dabei mein rechtes Handgelenk brach. Die Hand stand quasi neben meinem rechten Arm. Eine meiner Bekannten kam, um mich ins Röntgen zu fahren. Der Befund war eindeutig. So wurde ich weiter geleitet zu einem Knochendoktor, welcher mein Gelenk zwei Tages später unter das Messer nahm. In der Folge war ich über 2 Monate sehr unselbständig, konnte nicht Autofahren, kochen, mich waschen oder schreiben, sei es von Hand oder mit dem PC, etc. Es war sehr mühsam. Einen Check unterschreiben, ein Ding der Unmöglichkeit! Trotzdem musste ich alle oben erwähnten Aufgaben bewältigen. Dabei muss ich sagen, dass der Unfall zum Glück in Dakar passiert war und dass mir mein Personal sehr viel geholfen hatte. Nach einer 2. Operation, bei welcher die Stifte im Handgelenk entfernt worden waren, begann die Physiotherapie. Dies hat mir sehr gut getan und recht schnell konnte ich wieder meine Hand benutzen. Und endlich, eine gefühlte Ewigkeit später konnte ich wieder Auto fahren. Welche Freude!

Tja, und da ist ja noch mein kleines privates Häuschen, im Süden von Dakar, am Meer. Zuerst konnte ich dort nicht hin weil ich neue Mitarbeiter hatte, die ich nicht allein lassen konnte, dann war es unmöglich, per Auto dorthin zu kommen, geschweige denn dort einige Tage zu verbringen wegen meinem gebrochenen Handgelenk. Erst im November konnte ich das erste Mal einen Versuch starten und das Hotel für 3 Tage in den Händen von Matar zurück lassen, ebenso ein paar Tage im Dezember. So kam es, dass ich das Haus zwar immer noch gemietet hatte, jedoch kaum dort war. Aus der Ferne konnte ich wenigstens per Telefon das Nötigste in Ordnung bringen und den Garten bearbeiten lassen.

Dank der vielen Gäste hatten wir genug Geld, um Renovationsarbeiten zu machen, zum Teil neue Möbel zu kaufen, und sonst vieles wieder neu zu machen. So ist der hintere Garten neu gemacht worden. Diverse Türen wurden ersetzt oder geflickt, Zimmer neu gestrichen. Einige Zimmer haben neue Betten, ich begann neue Bettwäsche zu nähen und im Dezember konnten wir auch eine neue Pergola auf der Terrasse machen lassen. Anfang Regenzeit diesen Jahres wurde die alte Pergola, welche schon recht morsches Holz hatte, in einem ersten Sturm total zerstört und mit ihr viele Gartenstühle. Diese werde ich nun im Januar auch noch ersetzten, dann ist die Terrasse wieder ein wunderschöner Ort um zu chillen, aufs Meer zu schauen und das Leben zu geniessen.

Tja, es war für mich ein sehr schweres und stressiges Jahr, das 2022. Wie das dann so ist, stellte ich mir immer wieder die Frage, will ich wirklich noch weiter machen mit dem Hotel? Aber dann kamen wieder unsere langjährigen Gäste. Auch andere nette Menschen, welche mir viele wunderschöne Begegnungen bescheren, so dass ich das Auflösen des Hotels immer wieder hinaus schiebe. Ausserdem wäre ich jetzt gerade wirklich dumm, wo das Hotel seit Monaten so gut läuft. Also mache ich im Moment noch weiter. Allerdings hoffe ich, dass ich nun ab Januar wieder öfter und länger nach Somone gehen kann. Mich erholen, Zeit für mich haben, und all‘ die Dinge tun, zu denen ich sonst keine Zeit habe, wenn ich im Hotel arbeite. Im September 2022 bin ich 70 Jahre alt geworden. Ich bin also nicht mehr die Jüngste und merke, dass mir oft die Energie fehlt, all die vielen grossen und kleinen Probleme zu bewältigen. Ich werde schneller müde und falle oft abends total erschöpft ins Bett.

Doch will ich nicht jammern! Trotz allen Schwierigkeiten und Krisen, die wir die letzten Jahre überstehen mussten, geht es uns gut. Wir haben die Covid-Jahre überlebt. Auch dank der Hilfe meiner Familie. Ich konnte zusätzlich neue Arbeitsplätze schaffen, da wir seit der Öffnung des Flughafens im September 2022 viele Touristen haben. Der Senegal erholt sich zunehmend von dieser schlimmen Prüfung. Obwohl auch wir die letzten Monate bis heute unter einer grossen Teuerung leiden, scheint es langsam, langsam wieder bergauf zu gehen.

Im Lande wurden neue Infrastrukturen geschafften. Wir haben jetzt einen modernen Vorortszug, welcher im Moment vom Hauptbahnhof Dakar bis ins Diamniadio fährt. In ein paar Monaten soll er sogar bis zum neuen Flughafen fahren. Gleichzeitig ist der Zug eine Entlastung für die Bevölkerung der Vororte von Dakar, da er auf seiner Strecke viele Vororte bedient. Ich hatte im Mai mit einer Freundin die Strecke befahren um heraus zu finden, ob der Zug auch eine gute Sache für meine Gäste sein könnte. Ein eindrückliches Erlebnis!

Ein weiteres Highlight war, auch im Mai, unsere tolle Biennale. Nach den Jahren ohne solche Events war es ein Schwelgen in Kunst, Farben, Formen und wunderschönen Orten. Ich habe es ausgiebig genossen und besuchte viele Galerien und Vernissagen.

Auch sonst ist in Dakar wieder so einiges an Kultur zu haben. Es wurden diesen Sommer 2 moderne, tolle Kinos eröffnet. Noch hatte ich keine Zeit, diese zu besuchen, doch hoffe ich sehr, dass ich jetzt, im neuen Jahr, vermehrt ins Kino gehen kann. 

Das Land verändert sich im Moment sehr schnell. Vor allem erhalten wir moderne Infrastrukturen im Transportwesen, Kultur, Schulung und Gesundheitswesen. Der Senegal, vor allem Dakar entwickelt sich langsam zu einem modernen Land, wobei es natürlich auf dem Lande etwas langsamer geht.

Es gäbe hier noch einiges zu erzählen, doch will ich es für diesmal hierbei belassen. Ich hoffe, es geht Euch allen gut, Ihr seid gesund und wohlauf und sende Euch meine Besten Wünsche für dieses junge 2023. Es wäre schön, wenn ich einige von Euch dieses Jahr sehen darf! Auch wenn ich nicht mehr oft nach Europa reisen werde. Mein Lebensmittelpunkt ist jetzt hier im Senegal und ich gedenke hier zu bleiben.

Gehabt Euch alle wohl und seid glücklich!

In Liebe für Euch                                                                             

Mme. Ruth, Dakar, Senegal

2 Antworten auf “2022, ein bewegtes Jahr…..”

  1. Liebe Ruth,

    wie schön Du das geschrieben hast! Es liest sich wie ein Krimi, bei dem man wissen will wie es weitergeht. Es war ja ein sehr turbulentes Jahr für Dich, das Du ganz, wie ich Dich kenne, bravourös gemeistert hast. Ich bewundere Dich dafür! Bin ich doch noch ein Jahr jünger als Du, komme im Januar ins 70te Lebensjahr, und kann mir kaum vorstellen, dass mir das sooo gut gelungen wäre. Du bist unglaublich! Da freue ich mich, dass Du vor hast im Januar häufiger nach Somone zu kommen, auch wenn ich unbedingt vorhabe, dieses Jahr auch mal wieder nach Dakar zu fahren, aber so haben wir sicherlich mehr Möglichkeiten, ein paar schöne Stunden gemeinsam zu verbringen.
    Ich freue mich auf Dich
    Dörte

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    1. Liebe Dörte
      Vielen, lieben Dank für Deine lieben Worte. Ja, da hast Du schon recht, wir sind nicht mehr die Jüngsten. Wir müssen öfter mal nachtanken, was unseren Energiehaushalt betrifft. Das hoffe ich, im 2023 wieder etwas besser hin zu bekommen. 😊
      Und ja, es war ein sehr anstrengendes Jahr. Das Neue Jahr sieht besser aus, das gibt auch Aufwind. Und dann geht es irgendwie immer wieder weiter, nicht wahr?
      Ich jedenfalls freue mich, wenn ich auch im 2023 wieder viele, liebe Gäste empfangen kann.
      Und dann freue ich mich natürlich auf Dich! Auf die schönen, gemütlichen Momente mit einer lieben Freundin! ❤❤
      In diesem Sinne bis ganz bald und sonnige Grüsse an Dich
      Mme Ruth 😘

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