Tja, Wertelos, Werteverschiebung, Werteirrsinn, Werteverwirrung, Werte wo, wie wann???
Es scheint in Europa eine irrsinnige Verwirrung in Sachen Religionen, Werte, Politik und reales Leben zu geben. Was ist wann Sache, was beginnt wo, wann beeinflusst was wo, wann bin ich religiös, wann bin ich es nicht, welche Religion ist gut, wird zugelassen, welche nicht, usw. usw. Da streiten sich nun wirklich gescheite und weniger gescheite Köpfe über die Beantwortung eben dieser Fragen. Und das in einer Welt, in der ja eigentlich nur noch ein einziger „Gott“ regiert: DAS GELD. Und dessen „Religion“: der PROFIT !
Religionen sind erfunden worden, das Volk zu organisieren, zu kontrollieren und in Schranken zu weisen. Irgendwie funktioniert das heute nicht mehr so richtig, weil das globale Völkergemisch alles durcheinander bringt und die Religion gegenüber dem „Gott“ GELD einfach nur noch in den Hintergrund tritt. Religion, Ethik und Werte interessieren nun wirklich kaum noch jemanden. Ausser die Fanatischen, die Fundamentalisten, oder diejenigen, die sie immer noch als Manipulativ-Werkzeug sehen.
Schlussendlich haben wir sowieso bald alle nichts mehr zu sagen. Wir werden jedoch geistig fit gehalten, durch eben solche Diskussionen und Problemstellung. Dadurch sind die Intellektuellen beschäftigt und schauen nicht dahin wo es dem „Gott“ GELD gefährlich werden könnte.
Halleluja!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Warum ich das jetzt gerade schreiben musste? Ich las folgenden Artikel von Niklaus Ramseier:
Linke religiös im Abseits
© RamseyerNiklaus Ramseyer / 30. Okt 2016 – SP-Grössen fordern staatliche Anerkennung des Islam. Nötig wäre im Gegenteil: Alle Religionen strikt als Privates zu behandeln.
«Sie ist das Opium des Volks.» So hat Marx 1844 im Vorwort zu seiner «Kritik der Hegel’schen Rechts-Philosophie» die Religion definiert. Und festgehalten: «Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.» Denn: «Die Kritik der Religion ist im Keim die Kritik des Jammertals, dessen Heiligenschein die Religion ist.»
Anerkannte Muslime in «christlicher Schweiz»?
In diesem «Jammertal» (helvetischen Zuschnitts) streiten sich derzeit linke und katholische Politiker mit Schützenhilfe von Grünen und SVP-Vertretern um den richtigen Umgang mit Muslimen und dem Islam. CVP-Chef Gerhard Pfister sagt, der Islam gehöre nicht zur Schweiz, weil diese ein «christliches Land» sei. SP-Präsident Christian Levrat(«Ich bin ja selber praktizierender Katholik.») wirft ihm «christlichen Totalitarismus» vor – und plädiert für kantonale Anerkennung auch des Islam als öffentlich-rechtliche Körperschaft.
Der Solothurner SVP-Nationalrat und Burka-Lüfter (Initiative gegen Vollverschleierung) Walter Wobmann unterstützt Pfister nach Kräften. Auf Levrats Seite wirft sich seine Parteigenossin, die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr in die Schlacht: Sie will eine Muslimgruppe aus Ex-Jugoslawien – quasi als Zürcher Pilotprojekt – schon mal staatlich approbieren. Der grüne Ex-Nationalrat Jo Lang seinerseits rückt CVP-Pfister in die Nähe antisemitischer Staats-Katholiken in der Zentralschweiz des 19. Jahrhunderts. Immerhin pocht er auf den «säkularen Charakter» des Bundesstaates als Grundlage der Schweiz.
Religionen und Kirchen «privatisieren»
Recht hat er: Liberale und Linke müssten die definitive «Privatisierung» aller Religionen und Kirchen fordern, anstatt zusätzlich zu katholischem, jüdischem und protestantischem Glauben künftig auch noch die kantonale Anerkennung des Islams zu propagieren. Die Schwäche unserer Argumentation gegen übergriffige Ansprüche religiöser Schwärmer aller Art über das Private hinaus liegt ja gerade darin, dass hierzulande die Kantone ausgewählten «Landeskirchen» eine Vorzugsstellung gewähren, für sie Steuern eintreiben und die Pfarrer wie Staatsangestellte halten. Besonders heikel ist dies, wenn sich auch noch der «heilige Stuhl» in Rom einmischt – etwa bei der Wahl der Bischöfe.
Kritikschutz für Religiöse
Gegen die Trennung von Kirche und Staat verstossen auch die mit Steuergeldern finanzierten Lehrstühle für Religionen aller Art an kantonalen Universitäten. An diesen sollten Vernunft und kritisch verifizierbare Wissenschaft gelehrt werden. Und nicht der Glaube an ein «heiliges Buch» etwa, in dem Gott dem Mann aus einer Rippe die Frau als «Gehilfin» schnitzt (Kreationisten). Oder an einen «heiligen Geist» als Samenspender (unbefleckte Empfängnis) und an wiederkehrende Tote (der Auferstandene).
Aber solche konsequent säkulare Positionen durfte in der TV-Arena vom 21.10. 2016zum Thema Kirche und Staat niemand prominent vertreten. Dagegen fordern Fundamentalisten aller Art für sich besondere Rücksichtnahme auf ihre «religiösen Gefühle». Behörden und Politiker gewähren den Religionen, den Kirchen und ihren Gläubigen vielfach Schutz vor Kritik. Und leider auch viele Medien: Dieser Text hier dürfte wohl in einigen Mainstream-Medien kaum erscheinen.
Zwar will auch SP-Präsident Levrat «die richtige Distanz zu den Religionsgemeinschaften finden». Den ganzen irrationalen «Glauben» aus Staat, Schule, Universität und öffentlichem Leben in den Privatbereich zu verweisen – das getraut sich Levrat dann aber doch nicht. Was Wunder kommen nun die Muslime mit Gutachten der Hochschule Luzern und fordern für ihre Gemeinschaften auch staatliche Anerkennung oder gar religiöse Uni-Institute.
Religion tendiert ins Totalitäre
Diese sind ein alter Zopf, der ebenso rasch abgeschnitten gehört wie die christlichen «Landeskirchen». Die Gefahr des Totalitären schlummert nämlich in allem Irrationalen und damit auch in den Religionen und ihren kirchlichen Institutionen. Das beginnt beim «geglaubten» (und darum mit rabiatem Kritikverbot geschützten) einzigen «wahren Gott», den jede monotheistische Religion für sich – und gegen «die anderen» – behauptet. Es zeitigt bei extremeren Gläubigen eine invasive Durchdringung sämtlicher Lebens- und Daseinsbereiche mit religiösen (und darum nicht hinterfragbaren) Vorstellungen und Vorschriften.
Es führt zu totalitären Religionssystemen bis hin zu Gottesstaaten. Da trifft es dann stets vorab die Frauen, die entmündigt, zwangsverheiratet, verstümmelt, kahlrasiert oder eingesperrt werden. Und es endet bei der aggressiven Trennung in «Erlöste» und «Verdammte», in «Heilige» und «Teufel», in «Gute» und «Böse». Derlei «Trennungs-Philosophie» hat schon der gescheite Philosoph Ernst Bloch als Ideologie der Gewalt und Grundlage faschistoider Systeme erkannt und analysiert.
Linke Duckmäuserei vor Religiösen
Dass sich die Linke nicht klar von solchen Machenschaften distanziert, sondern im Gegenteil gar noch weitere Religionen staatlich anerkennen will, ist bedenklich. Doch die Angst auch der kritischen Linken vor den Religiösen ist immer noch (oder wieder) stark verbreitet. Das zeigt sich aktuell in der Burka-Debatte: Der links-grüne Block stimmte im Nationalrat geschlossen gegen ein Verbot dieser entwürdigenden kommunikativen Verstümmelung und Bevormundung. Die Linke will für Frauen eine (textile) Käfighaltung tolerieren, wie sie ansonsten hierzulande in der Landwirtschaft für Tiere (Käfighühner) längst verboten ist.
Aus ähnlichen Rücksichten ist in unserem Land (seit 2012 mit Art. 124 StGB) die grässliche Verstümmelung der Genitalien von Kleinkindern zwar verboten. Jedoch nur der «weiblichen». Die körperliche Unversehrtheit und die Religionsfreiheit männlicher Kleinkinder bleibt ungeschützt. Niemand hatte sich in den Räten ernsthaft getraut, die Streichung des Wortes «weiblich» aus dem Gesetz zu verlangen – sei es auch nur der Gleichbehandlung und Gleichberechtigung wegen.
Religiöse Irrationalität wirkt da weiterhin auch in Politik und Gesetzgebung hinein. Dabei hatte Marx schon vor bald 200 Jahren zu religiösen Streitereien, wie jener zwischen SP-Levrat («Noch mehr Religionen anerkennen!») und CVP-Pfister («Nur meine Religion anerkennen!») einigermassen Gültiges gesagt: Er hatte gefragt, wie man wohl einen religiösen Gegensatz aufheben könne. Und geantwortet: «Dadurch, dass man die Religion aufhebt.» Wir wären schon froh, wenn Religion konsequent ins Private verwiesen würde, statt sie mit staatlicher Anerkennung zu adeln, wie Levrat – oder sie wie Pfister dem Staat gar als «Grundlage» unterjubeln zu wollen.


