Tja, es war einfach nur Bestimmung. Meine Bestimmung. Eigentlich ist es für mich heute gar nicht so außergewöhnlich und besonders, dass ich hier im tiefen Schwarzafrika lebe. Längst ist mir dieses Land und auch die Stadt Dakar sehr vertraut, ich bin hier zu Hause und ich bereue es nicht, hierher gekommen zu sein. Im Gegenteil, ich fühle mich hier wohl und bin froh, dass ich hier leben darf.
Als ich 6 Jahre alt war, ging ich mit meinem kleinen Bruder Sonntags immer in die Sonntagsschule. Damals eine kirchliche Einrichtung, um Kindern aus der Bibel zu erzählen. Wir hörten spannende Geschichten, und ich war immer Feuer und Flamme ob all der großen und kleinen Wunder, die man uns dort erzählte. Was mich aber am meisten beeindruckte war die kindergroße Holzfigur, die in der Nähe der Türe stand. Ein kleiner Negerjunge mit einer Sparbüchse in den Händen. Wenn wir am Ende der Stunde eine Münze in den Schlitz gaben, nickte er freundlich mit dem Kopf. Ich war jedesmal fasziniert und hätte ganz viele Münzen in den Schlitz stecken mögen.
Dann hörten wir die Geschichte von Albert Schweizer mit seinem Hospital in Lambarene. An diesem Sonntag verkündete ich meinen Eltern beim Mittagessen, dass ich eines Tages in Afrika leben werde. Meine Eltern waren zwar erstaunt darüber, doch nahmen sie dies als Fanatasie eines kleinen Mädchens nicht sehr ernst. Doch ich ließ mich nicht beirren, ich wollte sogar Krankenschwester werden, um Doktor Schweizer in Lambarene helfen zu können.
Wie das so geht, verging die Zeit, ich wurde älter und vergaß mein Afrika ein wenig. In der Pubertät entdeckte ich meine Faszination für die Indianer, las Karl May und andere Indianerschmöker, war hundertprozentig Fan der Karl May – Filmen und träumte als Teeny von einem Leben als Indianerin.
Ja, und dann nahm mein Leben seinen Lauf. Ich bekam meine Tochter und meine Pflegekinder, arbeitete und war jahrelang von meinem Alltag in Anspruch genommen. Albert Schweizer war inzwischen gestorben. Ab und zu dachte ich an Lambarene und ob ich es wohl eines Tages besuchen könnte…
Und dann hörte ich den neuen CD-Hit von Paul Simon: Greaceland.
Bei dieser Musik ging meine Afrika-Türe wieder auf. Ab sofort begann ich mich für traditionelle und zeitgenössische afrikanische Musik zu interessieren. Wann immer irgendwo ein Afroabend stattfand, ging ich hin, um zu tanzen. Ich lernte verschiedene Afrikanische Tänze und, wie konnte es anders sein, auch Afrikaner kennen. Sie waren für mich damals noch sehr exotisch und ich trat mit einer gewissen Scheu an sie heran. Meine afrikanischen Freunden lernten mich wieder mehr lachen, tanzen und fröhlich sein. Jedesmal ein ausgelassenes Fest. Sie erzählten mir oft von ihrer Heimat, dort wo ihre Familie lebte, wo jeden Tag die Sonne schien. Die Sehnsucht nach Afrika erwachte erneut.
An einem dieser Abende lernte ich meinen Mann kennen. Er ist Senegalese und lebte damals schon seit einiger Zeit in der französisch sprachigen Schweiz. Wir trafen uns danach öfter, ich besuchte ihn in Neuenburg, wo er arbeitete. Dabei konnte ich kaum einen französischen Satz richtig aussprechen. Ich hatte zwar in der Schule Unterricht in Französisch erhalten, doch konnte ich nie wirklich sprechen und hatte auch sehr viel vergessen. Da sass ich nun mit ihm zusammen, in meinen Händen ein winzig kleines Wörterbuch Deutsch/Französisch und suchte mir zusammen was ich brauchte. Die Kommunikation war damals recht mühsam, doch was machte es, die Liebe ließ es vergessen und wir ließen uns dadurch nicht stören. Ich schwebte im 7. Himmel, entdeckte eine vollkommen neue Welt. Er erzählte mir viel von seinem Land, seiner Familie. Mein Wunsch, all das zu sehen, seine Familie kennen zu lernen, wurde immer grösser.
Und dann kam der große Tag, an dem ich zum ersten Mal meinen Fuß auf afrikanischen Boden setzte. Ich stieg aus dem Flugzeug und eine warme, würzige-feuchte Luft hüllte mich sanft ein. Damals war der Flughafen von Dakar noch ein kleines Gebäude und wir mussten zu Fuß über das ganze Rollfeld gehen, selbstverständlich mitsamt Gepäck. Wie ich auf das Gebäude zuging, um durch die Passkontrolle zu gehen, begannen mir die Tränen über das Gesicht zu laufen. Ich schluchzte und konnte gar nicht mehr aufhören damit. Mein Mann begann sich für mich zu schämen. Er konnte meine Gefühlsregung kaum nachvollziehen. Es war für mich ein Nach-Hause-Kommen. Ein „Déjà Vue“ der ganz besonderen Art. Ich wusste, ich war zu Hause angekommen.
01.08.2016 Mme Ruth



… ach liebe Ruth … das ist so schön geschrieben und weckt in mir das Fernweh (welches ich sehr oft im Leben verspürt hatte aber nie so wirklich nachgegeben habe). Du hast dein Déjà Vue so Herzenswarm beschrieben, das mir richtig warm wurde um selbiges. Es ist doch wirklich wundervoll, wenn sich ab und an, Träume erfüllen. Nach deinen Worten zu urteilen, lebst du ja deinen Traum und bist sehr glücklich damit und das freut mich sehr für dich. Ich habe allergrößten Respekt für deinen Mut, in einer völlig anderen Welt zu leben und diese auch noch Heimat nennen zu können.
Ein wirklich sehr schöner Beitrag von dir – vielen Dank dafür
Liebe Grüße aus dem nasskalten Ostdeutschland
Ede
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Uff, jetzt ist das Jahr 2016 vorbei, vor allem der Dezember! Da gibt es für mich immer sehr viel zu tun. Atemlos kommt mir bei Dezember immer in den Sinn. Die Hauptsaison beginnt, die Festtage müssen organisiert und vorbereitet werden. Tja, da bleibt oft kaum noch Schnauf, um mich um Dinge zu kümmern, die mir lieb sind. die müssen eben dann auf den 01.01. warten…..
Nachträglich ein ganz großes Dankeschön für Deine lieben Worte. Ja, ich habe hier in Afrika meinen Traum verwirklicht. Es ist schön, wenn wir unsere Träume leben dürfen. Es dürfen aber auch durchaus kleinere Träume sein, die man sich erfüllt. Träume gehören für mich zum Leben dazu. Ob ich von einer tollen Vernissage träume, die ich gerne machen möchte, ob ich von einer Reise träume, oder auch nur von einem kleinen Wochenende irgendwo am Meer, sie gehören für mich zur Lebensqualität.
Auf dass auch Du noch ganz viele Träume vom Himmel herunter holen kannst! Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute für dieses neue Jahr!
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Ach ja – unsere Träume … Es ist gut das wir sie haben, ohne diese wäre das Leben nur halb so schön.
Auf diesen Wege sende ich dir auch noch meine besten Wünsche für das neue Jahr und ich wünsche dir von ganzen Herzen, dass einige deiner Wünsche (Träume) sich 2017) erfüllen werden.
Herzliche Grüße sendet dir
Ede
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Lieber Ede
Jetzt erst will ich Dir antworten. Das ist vielleicht komisch, doch war ich total abgetaucht im Alltag, in Restaurationsarbeiten, in konzeptuellen Aufgaben. Und dann war da noch diese Blockade. Ich dachte immer wieder, dass ich in meinem Blog arbeiten sollte, dass ich schreiben sollte, aber eben, es kam kaum was aus meinen Fingern. Wenn ich mal ein wenig Zeit hatte, trödelte ich in Facebook rum und verpasste regelmässig den Moment, in dem ich noch nicht zu müde war, um zu schreiben. Dann schloss ich immer wieder den PC und dachte, morgen mach ich es….
Ab und zu las ich in Euren Blogs und beneidete Euch um Eure Schaffenskraft und Kreativitiät, welche niemals nach zu lassen scheint. Bei mir war einfach nur Stille im Kopf. Schrecklich!!!
Gut, zu meiner Verteidigung muss ich doch noch sagen, dass wir sehr, sehr viel Arbeit hatten seit Anfang Jahr. Das ist sehr gut, doch hat es mich ausgelaugt, ausgeleert.
Müde und erschöpft fühle ich mich zwar immer noch, doch geht es nun wieder ein wenig ruhiger zu und her. Ich fühle nun auch wieder Lust zum Schreiben. Das beruhigt mich ungemein. Ich liebe es zu schreiben! 😀
Also, auch Dir noch ein tolles Restjahr und vor allem freue ich mich, Dich wieder hier zu treffen und mit Dir aus zu tauschen.
Sonnige und herzliche Grüsse aus dem Süden
Mme Ruth
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Liebe Mme. Ruth, wieder eine schöne Geschichte, herzlichen Dank! Ja, Hoffnung, Wünsche und Träume halten mich wach und am Leben. Ich lese gerne Deine Geschichten und so halte ich die Verbindung zu Dir und Afrika bis ich da bin. Hoffentlich ! Liebe Grüße aus Wiesbaden – Christel
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Liebe Christel
Herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich, dass Du bei mir bist. Leider habe ich im Moment sehr wenig Zeit für meine Passion, das Schreiben. Bei mir geht gerade alles ein wenig drunter und drüber.
Aber was soll’s, das ist das Leben. Irgendwie geht es immer weiter.
Dann hoffe ich, dass Du bald einmal den Weg zu mir findest. 🙂
Bis ganz bald und herzliche Grüsse aus einem sehr heissen Dakar
Mme. Ruth
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Liebe Mme. Ruth, herzliche Geburtstagsgrüße und alles Gute wünsche ich dir.
Luisa , du und ich , die Septemberfrauen, sind wieder etwas “ reifer “ geworden.
Ich wünsche dir ein volles Haus , nette Gäste , viel Freude und Gesundheit !!!!
Liebe Grüße – Christel
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Danke für deine Zeilen! Ich hoffe jedes Jahr, dass ich meine Reise zu dir antreten kann. Nur leider kam bisher immer etwas dazwischen , was man nicht gebrauchen kann. LG – Christel
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Liebe Christel
Herzlichen Dank für Deine lieben Wünsche. Auch ich sende Dir meine besten Wünsche und grüsse Dich ganz herzliche im Kreise der Septemberfrauen.
Lass es Dir gut gehen!
Liebe Grüsse und wer weiss, bis bald in Dakar
Mme Ruth
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